BAföG-Reform jetzt umsetzen: RCDS Bayern fordert Einhaltung des Koalitionsvertrags und Investitionen in die Fachkräfte von morgen
BAföG-Reform jetzt umsetzen: RCDS Bayern fordert Einhaltung des Koalitionsvertrags und Investitionen in die Fachkräfte von morgen
München, 19.06.2026 -
Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Bayern e.V. fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag vereinbarten BAföG-Reformen unverzüglich und vollständig umzusetzen. Insbesondere die Erhöhung der Wohnkostenpauschale, die Dynamisierung der Leistungen sowie die Digitalisierung und Vereinfachung des Antragsverfahrens dürfen nicht länger verzögert werden.
„Der Koalitionsvertrag enthält klare Zusagen für die Zukunft der Studienfinanzierung. Diese Versprechen müssen jetzt eingehalten werden. Studenten brauchen Planungssicherheit und keine weiteren Debatten darüber, ob die vereinbarten Reformen überhaupt kommen“, erklärt Andreas Weber, Landesvorsitzender des RCDS in Bayern e.V.
Besonders dringlich ist die Anhebung der Wohnkostenpauschale von derzeit 380 Euro auf 440 Euro. Schon heute reicht die bestehende Pauschale in vielen Hochschulstädten nicht aus, um die tatsächlichen Wohnkosten abzudecken. Die durchschnittliche Miete für ein WG-Zimmer beträgt bundesweit 512 Euro.1 Selbst die im Koalitionsvertrag vorgesehene Erhöhung auf 440 Euro bleibt damit noch deutlich hinter der Lebensrealität vieler Studenten zurück. Insgesamt müssen die Mittel der Wohnkostenpauschale daher neu verteilt werden. Statt einer pauschalen Summe muss ein einheitlicher Prozentsatz festgelegt werden, der angibt, welcher Anteil der durchschnittlichen Mietkosten in der jeweiligen Stadt über das BAföG finanziert wird. Damit wird mehr Gerechtigkeit ohne einen Cent Mehrausgaben ermöglicht.
Gleichzeitig fordert der RCDS in Bayern e.V. die vollständige Umsetzung der weiteren im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformschritte. Dazu gehören insbesondere die schrittweise Anpassung des Grundbedarfs an das Niveau der Grundsicherung zum Wintersemester 2027/28 und 2028/29, die Dynamisierung der Freibeträge sowie die Verschlankung des BAföG-Antragsverfahrens.
„Gerade die Dynamisierung ist für uns zentral. Wohnkosten, Regelsätze und Freibeträge müssen dauerhaft automatisch mit den realen Kosten mithalten. Studenten müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Eine ausbleibende Anpassung ist hier besonders gefährlich. Ferner haben die langen Debatten bei BAföG-Reformen zu erheblicher Unsicherheit geführt. Bildungsgerechtigkeit darf nicht zu einer politischen
Verhandlungsmasse werden!“, so der stellvertretende Landesvorsitzende Luca Kreger.
Auch der Verweis auf zusätzliche Erwerbstätigkeit greift zu kurz. Bereits heute arbeiten rund drei Viertel der Studenten neben ihrem Studium.
2 Ein Nebenjob kannwertvolle Praxiserfahrungen vermitteln und den Berufseinstieg erleichtern. Er darf jedoch nicht als Ersatz für eine gerechte Studienfinanzierung verstanden werden. Zusätzliche Erwerbstätigkeit kann steigende Lebenshaltungskosten nicht dauerhaft kompensieren, ohne dass darunter Studienbedingungen und Studienerfolg leiden. Die Realität an den Hochschulen zeigt: Die meisten Studenten leisten bereits ihren Beitrag. Nun ist die Politik gefordert,
ihren zu leisten. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Digitalisierung des BAföG. Noch immer sind viele Studenten mit komplizierten Verfahren, langen Bearbeitungszeiten und unnötiger Bürokratie konfrontiert. Die Digitalisierung des Antragswesens ist deshalb weit mehr als eine Verwaltungsreform. Sie entscheidet darüber, ob finanzielle Unterstützung schnell und zuverlässig dort ankommt, wo sie benötigt wird. Es kann nicht sein, dass Studenten in einem der führenden Länder Europas wochen- oder monatelang auf Bescheide warten müssen. Ein modernes BAföG braucht digitale, unkomplizierte und nutzerfreundliche Verfahren. Wer Bürokratie abbauen will, muss hier endlich liefern.“
Der RCDS in Bayern e.V. begrüßt ausdrücklich, dass das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt weiterhin für die Umsetzung der vereinbarten Reformen eintritt.3 Zugleich richtet der Verband einen klaren Appell an das Bundesfinanzministerium, die notwendigen Mittel bereitzustellen anstatt BAföG-Reform und Hightech-Agenda gegeneinander auszuspielen. Die Pressesprecherin Lea Borawski betont: „Wir dürfen die Förderung von Forschung und Innovation nicht gegen die Förderung von Studenten ausspielen. Deutschland braucht leistungsfähige Hochschulen, starke Forschungsprogramme und eine verlässliche Studienfinanzierung. Die Fachkräfte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Innovatoren von morgen sitzen heute in unseren Hörsälen. Wer in die Zukunft unseres Landes investieren will, muss deshalb sowohl die Hightech-Agenda als auch die BAföG-Reform verwirklichen.“
Wer beim BAföG kürzt oder notwendige Reformen verzögert, spart nicht, sondern verschiebt Kosten in die Zukunft. Das BAföG ist eine Investition in die Fachkräftebasis unseres Landes Viele Geförderte zahlen später einen Teil ihrer Förderung zurück und erwirtschaften als hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Jahrzehnte ein Vielfaches der in sie investierten Mittel. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Wertschöpfung, Innovation und Steueraufkommen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollte diese Perspektive auch im Bundesfinanzministerium stärker berücksichtigt werden.
Eine starke Studienfinanzierung und eine starke Forschungsförderung verfolgen dasselbe Ziel: die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Wer Spitzenforschung fördern will, muss auch diejenigen unterstützen, die morgen in Laboren, Unternehmen, Schulen, Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen Verantwortung übernehmen. Deshalb darf die Bundesregierung diese beiden Aufgaben nicht gegeneinander ausspielen. Deutschland braucht beides.
Der RCDS in Bayern e.V. fordert die Bundesregierung daher auf, sämtliche im Koalitionsvertrag vereinbarten BAföG-Reformen vollständig, fristgerecht und ohne Abstriche umzusetzen. Die zugesagte Erhöhung der Wohnkostenpauschale, die Dynamisierung der Freibeträge, die Anpassung des Grundbedarfs sowie die Digitalisierung und Entbürokratisierung des BAföG müssen nun konsequent auf den Weg gebracht werden. Ferner muss die Wohnkostenpauschale endlich die realen Kosten einer jeden Stadt abbilden. Sie ist daher zu regionalisieren!
1 https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/studenten-mieten-wg-sommersemester-wohnen-100.html
(zuletzt aufgerufen am 15.06.2026).
2 https://www.forschung-und-lehre.de/lehre/drei-von-vier-studenten-haben-nebenjobs-3192 (zuletzt aufgerufen
am 15.06.2026).
3 https://www.br.de/nachrichten/bayern/ministerin-baer-zu-bafoeg-debatte-wir-arbeiten-an-der-erhoehung,VMWjxEg (zuletzt aufgerufen am 15.06.2026).