Ausbau und vermehrte Förderung der psychosozialen Beratungsstellen an deutschen Universitäten (ehem. H05 LDV 2017)

Ausbau und vermehrte Förderung der psychosozialen Beratungsstellen an deutschen Universitäten (ehem. H05 LDV 2017)

Der RCDS in Bayern e.V. setzt sich für den Ausbau und die vermehrte Förderung von psychosozialen Beratungsstellen an deutschen Universitäten ein.

Aktueller Mangel an psychosozialen Beratungsstellen und deren Notwendigkeit

Immer mehr Studenten haben mit psychosozialen Problemen zu kämpfen. Laut dem Deutschen Studentenwerk fühlen sich 49% der Studenten durch Stress oder belastende Situationen in ihrem Studium beeinträchtigt, wobei 47% angeben, Erschöpfungs- und Überforderungsgefühle zu haben. Laut des Barmer-Arztreports ist in Deutschland mittlerweile jeder sechste Student (17%) von einer psychischen Diagnose betroffen, das sind umgerechnet 470.000 Studenten. [1]

Die Nachfrage an Sozialberatungsstellen in Deutschland ist groß. Im Jahr 2015 besuchten fast 75.000 Studenten Beratungsmöglichkeiten und etwa 44.000 Informationsveranstaltungen der Sozialberatungsstellen (Deutsches Studentenwerk, 2017).

Allein in den vergangenen fünf Jahren wuchs die Nachfrage an psychologischer Beratung um 16% (Studentenwerk im Zahlenspiegel), im vergangenen Jahr an einigen bayerischen Universitäten sogar um 30% im Vergleich zum Vorjahr 2016. Dadurch entstehen für die Betroffenen lange Wartezeiten von bis zu 4 Wochen, was der teilweise akuten Notsituationen nicht gerecht wird.
Dieser steigenden Nachfrage, der Zunahme an Belastungen, aber auch der wachsenden Studentenzahl auf mittlerweile 2,8 Millionen (Deutsches Studentenwerk, 2017) steht ein nur geringer Ausbau der Beratungsangebote gegenüber.

Die belastenden Themen sind vielfältig und reichen von Lern- und Leistungsstörungen, Zeitdruck und Stress über familiäre Probleme bis hin zu chronischen Krankheiten, Sucht, Stalking und traumatischen Erfahrungen.

Es soll dazu beigetragen werden, dass Studenten rechtzeitig und präventiv Unterstützung in Anspruch nehmen, bevor sich ihre persönliche Lage noch weiter anspannt und die eigene Gesundheit sowie das erfolgreiche Fortsetzen des Bildungsweges gefährdet werden.

Um dies zu erreichen, soll das bestehende Angebot auch im Hinblick auf seine Präsenz an den Universitäten und seinen präventiven Charakter weiter ausgebaut werden.

 

Zu erwartende Entwicklung

Da die Angebote meist recht unbekannt und wenig beworben sind, ist davon auszugehen, dass der tatsächliche Bedarf noch weitaus größer ist, als bisher angenommen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es nötig, umgehend und langfristig zusätzliche Stellen im Bereich der psychosozialen Beratung zu schaffen.

 

Fazit

Lange Wartelisten zeigen nicht nur, dass die Beratungsmöglichkeiten dringend ausgebaut werden müssen, sondern werden den akuten Notsituationen der Betroffenen nicht gerecht. Psychisch belastete Studenten brauchen umgehend und präventiv psychosoziale Beratungsmöglichkeiten, dass Nachteile ausgeglichen und der Studienerfolg im Allgemeinen nicht beeinträchtigt werden.

Darum fordert der RCDS in Bayern e.V. Bund und Länder dazu auf, den Studentenwerken Mittel in angemessener Höhe zur Verfügung zu stellen, damit die psychosozialen Beratungsangebote weiter ausgebaut und unterhalten werden können.

Aktuell wird die psychosoziale Beratung von den Studentenwerken wahrgenommen.  Wie eine Psychologin des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg bestätigte, gibt die Auslagerung von der Universität den Betroffenen ein Gefühl der Anonymität, was wiederum die Hemmschwelle, psychosoziale Hilfe aufzusuchen, senkt. Wir sprechen uns daher dafür aus, diese Aufgabe auch weiterhin bei den Studentenwerken angesiedelt zu lassen.

 

[1]Thelen, Peter. „Jeder sechste Student ist psychisch krank“. Handelsblatt. 22.02.18, unter: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/barmer-arztreport-jeder-sechste-student-ist-psychisch-krank/20988536.html

Zurück