Etablierung von Start-Up-Centern

Etablierung von Start-Up-Centern

Der RCDS in Bayern e.V. spricht sich in Zukunft für eine klare und bayernweit geltende Regelung zur Förderung von Startups an bayerischen Hochschulen aus. Kern der Förderung sollen Start-Up Center an den Hochschulen sein.

 

Aktuelle Situation:

Deutschland ist kein Gründerland. So konstatiert eine Studie des Global Entrepreneurship Monitor 2012 zur Total Early-stage Entrepreneurial Activity (Anteil der 18-64-Jährigen, die bereits ein Unternehmen gegründet haben oder eine Gründungaktiv vorbereiten): „Deutschland ist bislang kein Gründerland. Selbst bei Berücksichtigung nur der 24 innovationsbasierten Länder [Anmerkung: im Wesentlichen deckungsgleich mit den OECD-Ländern] belegt Deutschland mit einem Wert von 5,3 % lediglich Rang 20.“[1]

Auch die Unterschiede im Bereich Venture-Capital, das wesentliche Finanzierungsinstrument von Start-ups, weisen einen deutlichen Abstand auf. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 524 Mio. € Venture-Capital investiert, in den USA waren es im gleichen Zeitraum 26,7 Mrd. $ (über20 Mrd. €). Legt man als Maßstab das Größenverhältnis der Wirtschaftsleistung an, wird die Dimension des amerikanischen Vorsprungs noch deutlicher: Während die Wirtschaftsleistung der USA lediglich das 4,7-fache der deutschen beträgt, haben die USA fast das 40-fache VC-Investitionsvolumen.

Auch beim internationalen Vergleich von jüngeren Unternehmensgründungen, die zu Category Leadern geworden sind, ist der Abstand enorm: Während es in Deutschland lediglich SAP in diese Liga geschafft hat, gibt es in den USA eine Vielzahl derer[2].

Um der aktuellen Situation entgegen zu wirken, empfiehlt der RCDS in Bayern die Installation von Start-Up Centern an den einzelnen bayerischen Universitäten und Hochschulen.

 

Infrastruktur:

Für die erfolgreiche Gründung eines Unternehmens ist, neben der fachlichen Qualifikation auch die Infrastruktur, in der das Unternehmen gegründet wird, von großer Bedeutung. Leider bleibt die notwendige Infrastruktur vielen bayerischen Studenten verwehrt. So sieht der RCDS in Bayern e.V. verschiedene wichtige Ansatzpunkte, um Studenten in Bayern bei der Gründung von Start-Ups zu unterstützen.

Einer der wichtigsten und zugleich offensichtlichsten Punkte ist hier die Bereitstellung einer voll funktionalen sowie zeitgemäßen Infrastruktur. Diese sollte neben Büroflächen mit entsprechender Grundausstattung wie Schreibtischen, Bürostühlen, etc. auch zugehörige sonstige Räumlichkeiten wie Seminar-/Konferenzräume bieten, welche, im Gegensatz zu den einzelnen Büros, allgemein genutzt werden können und sollen. Die Räumlichkeiten sollten in nächster Nähe zur Hochschule liegen, sodass Vernetzung ohne weiteres möglich ist. Es ist wichtig, dass Freiflächen für Parkplätze oder Lieferungen in entsprechender Anzahl sowie eine gute Verkehrsanbindung vorhanden sind.

Aufgrund der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und der so neu geschaffenen Arbeitsumgebung muss bei der Ausstattung des Start-Up Centers das Augenmerk vor allem auf modernes technisches Equipment gelegt werden. Ebenso ist stabiles, schnelles und sicheres Internet für erfolgreiches Arbeiten unabdingbar.

Ferner müssen für beratende Stellen, die im Folgenden erörtert werden, Flächen fest eingeplant werden, da diese permanent im Center integriert und ohne unverhältnismäßig großen Aufwand erreichbar sein sollen.

 

Beratung

Start-Up Unternehmen sind auf externe Beratung/ Mentoring angewiesen. Da Start-Ups für diese oftmals kein oder nur sehr wenig Geld zur Verfügung haben, muss diese Beratung kostengünstig in die hier beschriebenen Inkubatoren aufgenommen werden. Der RCDS in Bayern e.V. sieht es für essentiell, beratende Organe fest in den Start-Up Centern zu integrieren, um eine schnelle, effektive und vor allem kostengünstige Beratung zu ermöglichen. So sollten in einem Start-Up Center Rechtsanwälte und Finanzberater bzw. Anlaufstellen für eine Gründungsberatung dauerhaft mit eigenen Büroräumen vorhanden sein. Diese sollen unterstützend bei ersten komplexen Tätigkeiten, wie der Steuererklärung oder Patentanmeldung, auf die Gründer einwirken.

 

Organisches Wachstum

Die Start-Up Center sollen das Universitätsleben bereichern. So könnten Stellenausschreibungen der Startups in die einzelnen Jobportale der Universitäten zukünftig eingegliedert werden. Es wird als sinnvoll erachtet, erfolgreichen Unternehmern in einer Art Generationenvertrag Aufgaben des Mentorings zu geben. Dieser sieht vor, das erworbene Know-how allen Studenten zur Verfügung zu stellen. Die Start-Up Center sollen ein besonders lebendiger und kreativer Ort sein, den die Studenten gerne aufsuchen. So könnten ein Café oder verschiedene Veranstaltungen das Campusleben bereichern. Auch die Vernetzung mit Partnern, z.B. aus dem Handwerk, sollte in gegebenen Maß mit einbezogen werden.

 

Regionale Schwerpunkte und Kooperation

Aus Kostengründen ist eine Spezialisierung an den einzelnen Hochschulstandorten absolut als sinnvoll zu erachten, wobei in besonderen Fällen von räumlicher Nähe Kooperationszentren der Vorrang zu geben ist.

So verschieden die Geschäftsbereiche der Start-Ups sind, so unterschiedlich sind deren Anforderungen. Besonders produzierende Start-Ups benötigen unterschiedliche Werkzeuge und Maschinen (3D Drucker, Laser, Materialien, etc.), um Prototypen zu fertigen. Diese sind leider häufig sehr teuer und werden nur an bestimmten Standorten gebraucht. Um Kapazitätsüberflüsse zu vermeiden und Kosten zu sparen, plädiert der RCDS in Bayern e.V. für regionale Schwerpunkte, wie der Zugang zu Maschinen an technischen Hochschulen. Auch die Vernetzung und der rege Austausch der einzelnen Start-Up Center sollte vorhanden sein, damit Studenten Materialien und Maschinen eines anderen Start-Up Centers verwenden können.

Zusätzlich zu der Vernetzung der Einrichtungen untereinander, soll die Vernetzung mit dem regionalen Handwerk verstärkt werden. Durch die Verständigungen mit den örtlichen Industrie- und Handelskammern, sowie einzelnen bereits existierenden Unternehmen, sollen beidseitig positive Effekte generiert werden.

 

Finanzierung

In Deutschland stellt sich der Zugang zu Venture Capital immer noch als schwierig heraus. Aus diesem Grund sollte es den Unternehmen möglich sein, sich innerhalb des Start-Up Centers möglichen Geldgebern und Partnern präsentieren zu können. Ein genereller Austausch der Start-Up Center mit Banken (bzgl. Förderkredite) und Unternehmen ist wünschenswert.

 

Fazit

Der RCDS in Bayern e.V. spricht sich für eine Förderung der Gründerkultur aus. Jedem Startup, das aus einer Hochschule herausgegründet wird, müssen genannte Strukturen und Hilfen zugänglich sein. Nur so kann das Ziel „Gründerland Bayern“im nationalen und internationalen Vergleich erhalten bleiben.

 

 

[1]Global Entrepreneurship Monitor (GEM), Länderbericht Deutschland 2012, Hannover/Nürnberg 2013, S.9.

[2]Unter anderem: Apple, Intel, Microsoft, Google, Yahoo, eBay, Amazon, Facebook, Dell, Starbucks.

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