Unsere Themen für die Hochschulwahl
Der RCDS an der TUM steht für eine Hochschulpolitik, die Freiheit, Leistung und Verantwortung verbindet. Wir wollen eine Universität, an der Studenten ihr Studium planbar gestalten können, gute Lehre ernst genommen wird und wissenschaftliche Arbeit Raum für Innovation, Forschung und Gründung schafft.
Unser Anspruch ist eine TUM, die im Alltag besser funktioniert und zugleich ihrem Anspruch als Spitzenuniversität gerecht wird. Dafür setzen wir in diesem Jahr fünf Schwerpunkte.
Evaluationen müssen Folgen haben
Die TUM erhebt bereits Feedback zur Lehre. Trotzdem nehmen viele Studenten kaum an Evaluationen teil. Das liegt nicht daran, dass sie keine Meinung haben, sondern daran, dass der Nutzen oft nicht sichtbar ist. Wer heute Feedback gibt, sieht häufig nicht, ob daraus tatsächlich etwas folgt.
Wir wollen deshalb eine TUM-interne Plattform für laufendes Lehrfeedback während des Semesters. Studenten sollen nicht erst am Ende eines Kurses rückmelden können, was schlecht läuft, wenn es für sie selbst bereits zu spät ist. Probleme müssen früher sichtbar werden, damit Lehrende noch im laufenden Semester reagieren können.
Freie Feedbacktexte sollen dabei nicht einfach ungefiltert veröffentlicht werden. Wir wollen KI nutzen, um Rückmeldungen zu anonymisieren, zu aggregieren und wiederkehrende Kritikpunkte strukturiert zusammenzufassen. So entsteht kein Pranger, sondern ein fairer und konstruktiver Verbesserungsprozess.
Modulverantwortliche sollen sichtbar zurückmelden, welche Kritikpunkte sie aufnehmen, was sie kurzfristig ändern, was sie für den nächsten Durchlauf verbessern und was sie aus welchen Gründen nicht ändern. Feedback darf kein schwarzes Loch sein.
Kein Abschluss durch Vitamin B
Die Suche nach Bachelor- und Masterarbeiten ist an vielen Stellen unnötig intransparent. Studenten schreiben zahlreiche Lehrstühle oder Professoren an, bekommen teilweise keine Antwort und wissen oft nicht, welche Themen tatsächlich verfügbar sind. Dadurch hängt ein zentraler Schritt im Studium zu stark von Zufall, persönlichen Kontakten und Hartnäckigkeit ab.
Das darf bei einem verpflichtenden Teil des Studiums nicht der Normalzustand sein. Wir fordern ein zentrales, TUM-weit nutzbares Portal für Bachelor- und Masterarbeiten.
Dieses Portal soll offene Themen sichtbar machen, Voraussetzungen klar benennen und eine direkte Bewerbung ermöglichen. Dazu gehören transparente Statusangaben, klare Rückmeldeprozesse und Antwortfristen. Wer eine Abschlussarbeit sucht, sollte nicht auf Vitamin B oder unbeantwortete E-Mails angewiesen sein.
Die Freiheit der Lehrstühle bei Themen und Auswahl bleibt erhalten. Aber verfügbare Themen müssen sichtbar sein, Bewerbungen dürfen nicht im Nichts verschwinden und der Weg zur Abschlussarbeit muss fairer und planbarer werden.
Aus Forschung Gründung machen
Die TUM ist eine unternehmerische Universität. Gleichzeitig ist Gründen für viele Studenten noch zu oft ein Parallelpfad neben dem Studium. Wer aus einer Thesis, einem Forschungsprojekt, einem Lab oder einem technischen Studienprojekt heraus eine Gründungsidee entwickelt, steht schnell vor praktischen Fragen: Wem gehört die Idee? Wie geht man mit IP um? Welche Unterstützung passt wann? Wie kommt man vom Lehrstuhl in die bestehenden Gründungsstrukturen?
Uns geht es ausdrücklich nicht darum, neue Inkubatoren, neue Förderprogramme oder neue Finanzierungsstrukturen zu schaffen. Mit UnternehmerTUM, TUM Venture Labs und weiteren Angeboten gibt es bereits starke Strukturen. Der Punkt ist ein anderer: Das normale Studium muss stärker so gestaltet werden, dass aus Studienleistungen, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekten realistische Gründungspfade entstehen können.
Wir wollen mehr Startup-Theses, klarere Leitlinien für IP-Fragen, frühere Beratung und bessere Übergänge zwischen Lehrstühlen, Schools, Venture Labs und UnternehmerTUM. Wer an der TUM forscht, entwickelt oder programmiert, soll leichter erkennen können, wann daraus eine Gründung werden kann.
Gute Ideen dürfen nicht an unklaren Zuständigkeiten, fehlender Orientierung oder schlecht verbundenen Strukturen hängen bleiben. Wir wollen keine Parallelwelt neben dem Studium, sondern ein Studium, das Gründungen aus Forschung und Lehre heraus besser möglich macht.
Garching vom Pendelcampus zum Studienort machen
Garching ist für viele TUM-Studenten ein zentraler Studienort. Trotzdem funktioniert der Campus im Alltag noch zu oft wie ein reiner Pendelcampus: morgens hin, Vorlesung oder Labor, vielleicht noch kurz lernen, dann wieder weg. Wohnen, Einkaufen, Essen und längeres studentisches Leben vor Ort sind nur begrenzt möglich.
Wir wollen Garching langfristig vom Pendelcampus zu einem echten Studienort weiterentwickeln. Dazu gehören Wohnraum in Campusnähe, bessere Alltagsversorgung und eine Infrastruktur, die studentisches Leben vor Ort ermöglicht.
Dabei geht es nicht nur um große Zukunftsprojekte. Auch bestehende Angebote brauchen deutlich mehr Aufmerksamkeit. Studenten brauchen bessere Essensmöglichkeiten nach 14 Uhr, eine insgesamt bessere Mensa- und StuCafé-Versorgung sowie Lernräume, in denen man wirklich länger bleiben kann.
Zu gut versorgten Lernräumen gehören aus unserer Sicht verlässliche Öffnungszeiten, Klimatisierung, Wasserzugang und Snackmöglichkeiten in der Nähe.
Neue Wohnprojekte helfen vielen aktuellen Studenten wahrscheinlich nicht mehr unmittelbar. Trotzdem müssen sie jetzt politisch verfolgt werden, damit zukünftige Studenten davon profitieren. Hochschulpolitik darf nicht nur Probleme bearbeiten, die bis zur nächsten Wahl gelöst sind.
Studentische Interessen enden nicht am Campus
Nicht alle studentischen Probleme lassen sich direkt an der TUM lösen. Themen wie BAföG, Deutschlandticket, Wissenschaftsfreiheit, Zivilklauseln oder der Umgang mit Antisemitismus werden wesentlich auf Landes- oder Bundesebene geprägt. Trotzdem betreffen sie Studenten unmittelbar.
Deshalb vertreten wir studentische Interessen nicht nur lokal an der TUM, sondern auch über den RCDS Bayern und politische Kontakte auf Landesebene.
Beim BAföG setzen wir uns besonders für wohnortspezifische Pauschalen ein. Wer in München studiert, hat andere Wohn- und Lebenshaltungskosten als Studenten an günstigeren Hochschulstandorten. Eine faire Förderung muss diese Realität berücksichtigen.
Auch das ermäßigte Deutschlandticket bleibt für Studenten wichtig, gerade an einer Universität mit mehreren Standorten. Bezahlbare Mobilität ist Teil guter Studienbedingungen.
Gleichzeitig stehen wir für Wissenschaftsfreiheit, gegen pauschale Einschränkungen durch Zivilklauseln und klar gegen Antisemitismus an Hochschulen. Hochschulen müssen Orte freier Forschung, demokratischer Debatte und sicherer Studienbedingungen für alle Studenten bleiben.